Fähre Caputh

Über Jahrhunderte wurde das „Fährmann! Hol' über!" am Caputher Gemünde mit dem Handkahn erledigt. 1843 stellte der Gutsbesitzer von Thümen den Antrag zum Bau einer Wagenfähre. Als Betreiber war
der Dorfschulze und Schiffsbaumeister Schulz vorgesehen. Da die Fähranlage auf dem Grundstück des Schiffers Wilhelm Bastian errichtet werden sollte, beantragte auch er die Genehmigung. Seine geforderten Fährgelder waren jedoch so hoch, dass die Königliche Regierung in Potsdam darauf nicht eingehen wollte. Da sich aber niemand fand,
der „die Fähre unter billigeren Bedingungen als der Bastian übernehmen“ wollte, konnte Wilhelm Bastian am 20. Februar 1853 den Fährbetrieb doch aufnehmen.

Er musste sich verpflichten,
die Überfahrt zu jeder Tages- und Nachtzeit auf Verlangen durchzuführen. Im Jahre 1873 wurde von ihm eine Fährgelderhöhung eingereicht, weil nachts so oft Einzelbenutzer zu ihrem Vergnügen eine Überfahrt forderten. Sein Gesuch fand Zustimmung. Von abends um 9 bis morgens um 5 kassierte er fortan pro Person 2 Silbergroschen.
Anfangs wurde die hölzerne Wagenfähre mit Rudern und Stakstangen übers Gemünde bewegt. Später kamen Führungsseil, Spill und Kurbel, so dass das Übersetzen für die Fährleute etwas leichter wurde.
Ab 1928 wurde die Seilfähre mit einem Motor ausgestattet.
Enkel Kurt Bastian ließ in den 1940er Jahren auf der Brandenburger Wiemann-Werft einen neuen Fährprahm aus Stahl bauen, der kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges von der Wehrmacht gesprengt wurde. Später ließ Bastians Bruder Hans die Fähre auf der Genthiner Werft wieder herrichten.
1972 übernahm die Familie Grunow den Fährbetrieb.
Nach der Wiedervereinigung musste die „Tussy I“ aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie nicht mehr den Sicherheitsvorschriften entsprach. Seit dem Jahr 2002 sorgt Fährmeister Karsten Grunow mit seinen Fährleuten auf der neuen „Tussy II“ für den Übersetzverkehr von Caputh zur Wentorfinsel.

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