Das rapide Wachstum Berlins ab Mitte des 19. Jahrhunderts war günstig. An der Havel entstanden Ziegeleien. Millionen Steine erforderten alsbald Hunderte von Kähnen, um sie auf den Berliner Markt zu schaffen. Auf den Werften des Dorfes wurden mehr als sechzig Schiffe gebaut. Von Fontane erfahren wir, dass „es auf der Caputher Reede am lebendigsten wurde, wenn irgendein großer Festtag einfällt.
Dann drängt alles hier zusammen; zu beiden Seiten des Gemünde liegen 100 Schiffe oder mehr, die Wimpel flattern, und hoch oben vom Mast, ein entzückender Anblick, grüßen hundert Maienbüsche weit in die Ferne“.
Nach dem Rückgang der Ziegelproduktion avancierte Caputh zum Ausflugsziel für Potsdamer
und Berliner. Um diese Zeit muss bei den Bastians die Idee aufgekommen sein, aus ihrem Gartengrundstück mehr zu machen. Es entstand ein Haus, dessen Umfassungswände aus 44x38 Zentimeter starkem Ziegelmauerwerk errichtet wurde.
Überliefert ist jedenfalls, dass im Jahre 1904 Gasträume entstanden. Bestätigt wird das durch eine Ansichtskarte des Pächters mit der Aufschrift „Restaurant Fährhaus, Inh. Max Wunder. Caputh. Fernsprecher 729“ und durch das Märkische Museum in Berlin, in dessen Sammlung „Märkische Ansichten von 1865 bis 1940“ eine frühe Aufnahme von Hermann Lehmann existiert: „Blick vom sogenannten Kleinen Wentorf über die Havel, rechts im Hintergrund die Gaststätte Fährhaus Caputh“.
Auf beiden Fotos sticht die Veranda an der Wasserfront hervor. Den Bauakten ist zu entnehmen, dass sie ca. 75 Quadratmeter Grundfläche und keine Heizung hat, also nur im Sommer benutzbar ist. Unmittelbar daneben entstand später der Anleger für die Fahrgastschifffahrt. So ungefähr blieb es bis zum 24. März 1950. Da reichte das Caputher Baugeschäft „August Hahn u. Sohn“ Pläne für die neuen Pächter Kurt und Irma Lüthgens ein. Demnach gab es im Erdgeschoss „1 großes Gastzimmer mit Büffettraum von 92,50 qm,
2 kleinere Gastzimmer mit 31 qm,
1 Küche, im Obergeschoss 5 Wohnzimmer für 2 Familien des Pächters, 4 Fremdenzimmer, 1 Raum für Personal und 1 Badezimmer“.
Im Dachgeschoss wohnte in einer 2-Zimmer-Wohnung die Besitzerin des Fährhauses, die Witwe Helene Bastian. 2 Fremdenzimmer und etliche Personalräume kamen hinzu..
In einer Baubeschreibung vom 24. Mai 1977 heißt es: „Frau Irma Lüthgens, die bisherige Inhaberin der Fährhaus-Gaststätte Caputh beabsichtigt, die Gaststätte ab Saison 1977 zu verpachten. Zwecks Erteilung der Konzession für den neuen Pächter Karl Walch ist es erforderlich bzw. wird verlangt, dass die Bewohner des Hauses, Mieter und Sommergäste, einen separaten Zugang zum Obergeschoss erhalten.“
Bertram Müller bekam 1984 die Gelegenheit, Haus und Grund zu erwerben. Der gebürtige Altenburger lebte seit 1976 mit Frau und vier Kindern in Caputh. Damit war er kein richtiger, aber mehr als ein halber Caputher. Als er das Fährhaus übernahm, hatte wohl kaum einer im Ort daran geglaubt, dass der Zugezogene dieses Gasthaus über die Zeiten bringen würde. Zuerst die Mangelwirtschaft, dann die Qual der Wahl mit der Marktwirtschaft.
Bertram Müller hat an sich und die Seinen geglaubt, und an ein idyllisches Anwesen, das er für uns ins 21. Jahrhundert gerettet hat. Inzwischen führt seine Tochter Christina die Gaststätte. Aufs Altenteil will er sich noch lange nicht setzen. Tagtäglich steht er in der Backstube und bereitet seinen „legendären“ Kuchen.
| Historie | Lokalitäten | Speisen | Öffnungszeiten |
|---|
